Forum Ganztagsschule

04.05.2021

Rückschau: Online-Netzwerktreffen Forum Ganztagsschule über Kooperationen mit außerschulischen Partnerinnen und Partnern

von Alexander Kanamüller, Christine Steiner und Volker Titel

Mit rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland und darüber hinaus war das Online-Netzwerktreffen Forum Ganztagsschule am 12.03.2021 bestens besucht. Die Veranstalter des Netzwerktreffens, die Akademie für Ganztagsschulpädagogik, der Ganztagsschulverband e.V. und das am Deutschen Jugendinstitut angesiedelte Projekt ZivilKoop, freuen sich über das große Interesse am Tagungsthema: Die Frage nach Voraussetzungen, Gelingensbedingungen und Stolpersteinen von Kooperationen zwischen Ganztagsschulen und außerschulischen Partnerinnen und Partnern.

Unterschiedliche Erwartungen im Blick

Auf dem Netzwerktreffen wurde diese Frage aus verschiedenen Perspektiven nachgegangen. So beleuchtete Dr. Anna-Maria Seemann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik der Universität Bamberg, das Thema der Kooperationsbeziehungen im Ganztag aus der Perspektive der Schulen. Hierbei wurde u.a. deutlich, dass Lehrkräfte Kooperationen mit außerschulischen Partnerinnen und Partnern durchaus als bereichernd wahrnehmen: Lehrkräfte finden, dass hierdurch ihr Blick auf die Kinder erweitert und die eigene Tätigkeit durch das Teilen von Verantwortung ein Stück weit entlastet wird. Einen wesentlichen Vorteil sieht das Lehrpersonal zudem darin, dass die Schülerinnen und Schüler sowohl in fachlicher als auch in sozialer Hinsicht von solchen Kooperationsbeziehungen profitieren können. Auf der anderen Seite sorgen sich jedoch auch einige Lehrkräfte um ihre Autonomie und sehen in Kooperationen mit außerschulischen Partnerinnen und Partnern keinen spezifischen Nutzen verankert.

Im Anschluss gab Dr. Christine Steiner Einblicke in die Sicht der außerschulischen Partnerinnen und Partner. Eine typische Wahrnehmung ist, dass der Ganztagsausbau eher schulzentriert erfolgt und Ganztagsschulen eher als Nachfragende von außerunterrichtlichen Angeboten erscheinen, für die sie auch häufig den Preis und die Rahmenbedingungen bestimmen können. Für eine strukturell nachteilige Position außerschulischer Partnerinnen und Partner spricht u.a., dass die Verantwortung für den Ganztag nach wie vor bei der Schulleitung liegt,  dass die Schule nach wie vor der zentrale Ort ist, an dem Ganztagsangebote stattfinden oder dass außerschulische Partnerinnen und Partner eher einzelne Angebote im Rahmen des schulischen Ganztags durchführen. Fraglich ist daher, inwieweit außerschulische Akteure ihre eigenen Vorstellungen, Ziele und Erwartungen verwirklichen bzw.  in einen produktiven Dialog mit Lehrpersonen eintreten können. Zudem ist die Zusammenarbeit aufgrund unterschiedlicher Arbeitszeitmodelle, Weisungsbefugnisse und rechtlicher Regelungen nicht selten mit erheblichem Aufwand verbunden, der nicht von allen Partnerinnen und Partnern zu leisten ist. Dies könnte auch eine mögliche Erklärung dafür sein, warum Ganztagsschulen seit geraumer Zeit Schwierigkeiten bei der Suche nach Kooperationspartnerinnen und -partnern haben und die Zahl letzterer an Schulen rückläufig ist.

Naheliegend ist es jedoch, potenzielle Partnerinnen und Partner selbst zu fragen, warum sie (noch) nicht mit Schulen zusammenarbeiten. Dies ist eine der Forschungsfragen des Projekts ZivilKoop, das sich mit dem Engagement zivilgesellschaftlicher Organisationen für Bildung im kommunalen Raum beschäftigt.

Problemwahrnehmungen

Im letzten Vortrag des Online-Netzwerktreffens stellten daher Alexander Kanamüller, Ronald Langner und Tabea Schlimbach erste vorläufige Ergebnisse zu der Frage vor, welche zivilgesellschaftlichen Akteure sich tendenziell schwerer damit tun, neue Kooperationspartnerinnen und -partner in ihrer kommunalen Bildungslandschaft zu finden, wozu natürlich auch Schulen zählen können. Hierbei wurde u.a. deutlich, dass vor allem kleinere Organisationen mit wenigen haupt- und nebenberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Schwierigkeiten im Finden neuer Kooperationspartnerinnen und -partner haben. Organisationen mit Schwierigkeiten haben im Durchschnitt signifikant weniger haupt- und nebenberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Organisationen, die (kaum) Schwierigkeiten haben, neue Partnerorganisationen zu finden. Und auch die durchschnittliche Anzahl der freiwilligen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist bei Organisationen mit Schwierigkeiten deutlich geringer (Abbildung).

An diesem Befund wird also abermals deutlich, dass das Finden und Eingehen von Kooperationsbeziehungen ausreichend Zeit und womöglich auch Expertise benötigt. Dementsprechend haben es kleinere zivilgesellschaftliche Organisationen auch schwerer neue Partnerorganisationen zu finden, da diesen hierfür aufgrund ihrer kleineren Anzahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch weniger Zeit und unter Umständen somit auch weniger Expertise zur Verfügung steht. Des Weiteren wurde im Vortrag deutlich, dass zivilgesellschaftliche Akteure aus dem Bereich Sport sowie ältere Organisationen häufiger von Schwierigkeiten berichten. Welche jeweiligen Erklärungen hinter diesen Befunden stehen, gilt es in der weiteren Forschungsarbeit von ZivilKoop zu klären. Allerdings lässt sich vermuten, dass es sich hierbei vor allem um ältere Sportvereine mit nur wenigen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern handelt.

Impulse für die Qualitätsentwicklung

Das Forum bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern verschiedene Möglichkeiten, zwischen den einzelnen Vorträgen in Kleingruppen über das Gesagte zu diskutieren und sich auch generell über ihre jeweiligen Arbeitskontexte auszutauschen. Die Diskussionen und Vorträge des Netzwerktreffens zeigten deutlich, wie komplex das Thema der Kooperation zwischen Ganztagsschulen und außerschulischen Partnerinnen und Partnern ist und wie viele Stolpersteine in der Praxis dabei zu überwinden sind. Sie zeigten aber auch, dass sich die Zusammenarbeit lohnen kann.

Das große Interesse an der Veranstaltung und die rege Beteiligung an den Diskussionen verdeutlichen den wachsenden Bedarf an Meinungsaustausch zwischen im schulischen Ganztag Tätigen: Auf diese Weise können wichtige Impulse für die Qualitätsentwicklung in diesem Bereich gegeben werden.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Netzwerktreffens für ihre Teilnahme und hoffen auf ein Wiedersehen beim nächsten Netzwerktreffen. Auch hier werden Kooperationen zwischen Ganztagsschulen und außerschulischen Partnerinnen und Partnern das Thema der Veranstaltung sein.

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