Kongress „Warum Netzwerkforschung“

01.10.2020

Rückschau: Kongress „Warum Netzwerkforschung“ im Schader-Forum Darmstadt

von Alexander Kanamüller

Im Mittelpunkt der Forschung des Projekts ZivilKoop steht die Erfassung und Analyse der Kooperationsbeziehungen von im Bildungsbereich engagierten zivilgesellschaftlichen Akteuren im kommunalen Raum. Hierfür wird auf sozialwissenschaftliche Methoden der Netzwerkanalyse zurückgegriffen. Dass sich diese bereits in zahlreichen Studien bewährt haben, wurde auf dem Kongress „Warum Netzwerkforschung“, den Projektmitarbeiter Alexander Kanamüller in Darmstadt besucht hat, deutlich. Der Kongress fand vom 02. bis 04. März im Schader-Forum statt. Veranstalter dieses im deutschsprachigen Raum mittlerweile größten Treffens zur Netzwerkforschung waren die Schader-Stiftung und die Deutsche Gesellschaft für Netzwerkforschung (DGNet).

Der thematische Schwerpunkt des Kongresses lag darauf, herauszuarbeiten, was die Netzwerkforschung leisten kann und welche Vorteile die Netzwerkanalyse gegenüber anderen Forschungsansätzen bietet. Welche Art von Fragestellungen können mit Hilfe der Netzwerkperspektive besonders gut beantwortet werden? Welche Fragen sind erst unter Einnahme einer Netzwerkperspektive erkenn- und bearbeitbar? Und welchen spezifischen Nutzen hat die Netzwerkforschung für die Praxis? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedensten Fachbereichen (u.a. Soziologie, Pflegewissenschaften, Geographie, Erziehungswissenschaften, Religionswissenschafen) lieferten mit ihren Vorträgen Antworten auf diese Fragen.

Auf die Frage, was die Netzwerkforschung besonders gut leisten kann, arbeiteten dabei mehrere Beiträge deutlich heraus, dass es mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Methoden der Netzwerkforschung z.B. möglich ist, kommunale Netzwerke in ihrer Ganzheit zu erfassen. Andere Methoden der empirischen Sozialforschung tun sich damit vergleichsweise schwer. Gleichzeitig können mit Hilfe der Netzwerkforschung zentrale Akteure sowie eventuelle Schwachstellen eines kommunalen Netzwerks identifiziert werden. Zudem werden erst anhand der Netzwerkperspektive Verbindungen bzw. Beziehungen zwischen einzelnen kommunalen Akteuren in ihrem spezifisch relationalen Charakter verstehbar, heißt, der für die Akteure spezifische Sinn und Nutzen einer bestehenden Netzwerkverbindung kann sichtbar gemacht werden. Besonders geeigent für eine solch umfassende und zugleich in die Tiefe gehende Abbildung eines kommunalen Netzwerks ist die Kombination von statistisch-standardisierten (quantitativen) und nicht-standardisierten offenen (qualitativen) Methoden der Netzwerkforschung. Auch dies wurde in mehreren Vorträgen des Kongresses deutlich.

Weiterhin ging aus einigen Beiträgen hervor, dass die präzise Abbildung und wissenschaftlich fundierte Erforschung eines kommunalen Netzwerks für die Akteure vor Ort auch praktischen Nutzen mit sich bringt: Die zentralen Knotenpunkte des Netzwerks werden für die Akteure deutlich sichtbar. Ebenso können „Außenseiter“ und typische Kommunikationswege des Netzwerks identifiziert werden. Ferner erhält die Praxis einen vertieften Einblick in die spezifische Ausgestaltung einzelner Kooperationsbeziehungen und wird dadurch möglicherweise auch auf neue Wege zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit aufmerksam. Zusammengefasst bekommt die Praxis also ein präzises Bild ihres jeweiligen kommunalen Netzwerks und hat die Möglichkeit, dieses Wissen für ihre Netzwerkarbeit im Allgemeinen sowie für spezifische Kooperationsbeziehungen im Einzelnen zu nutzen.

Das Projekt ZivilKoop generiert Wissen darüber, wie sich das Netzwerk und die darin enthaltenen Kooperationsbeziehungen von im Bildungsbereich engagierten zivilgesellschaftlichen Akteuren ausgestalten. Da dieser Fokus in der Wissenschaft noch relativ neu ist, haben die involvierten Akteure der Praxis somit auch die Chance, an der Generierung neuen Wissens beteiligt zu sein und von den daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen sowie Best-Practice-Beispielen zu profitieren.

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