Sektorenverbindende Kooperationen für freiwilliges Engagement

21.10.2021

Engagement-lokal: Trisektorale, lokale Engagement-Förderung in der Schweiz

Ein Interview mit Ruedi Schneider

Das Projekt engagement-lokal fördert Engagement vor Ort nachhaltig und sektorenverbindend. In zehn unterschiedlichen Orten und Regionen in der Schweiz haben sich lokale Kooperationen von Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und öffentlichem Sektor gebildet. Gemeinsam kreieren sie Strategien, Konzepte und Projekte zur Förderung des freiwilligen Engagements vor Ort.

 

Was verbirgt sich hinter engagement-lokal?

engagement-lokal fördert Engagement vor Ort nachhaltig und sektorenverbindend. In zehn unterschiedlichen Orten und Regionen in der Schweiz haben sich lokale Kooperationen von Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und öffentlichem Sektor gebildet. Gemeinsam kreieren sie Strategien, Konzepte und Projekte zur Förderung des freiwilligen Engagements vor Ort. Die aktuelle Förderphase dauert drei Jahre und noch bis zum Frühling 2023. Dabei erhalten die Orte und Regionen finanzielle Unterstützung und werden fachlich begleitet.

Konkretes Ziel ist es, diese zehn Orte in der sektorenübergreifenden Förderung des Engagements zu unterstützen und darüber hinaus mittels der wissenschaftlichen Begleitung zu erfahren, wie sektorenübergreifende Zusammenarbeit in der Förderung von Engagement gelingen kann. Diese Erkenntnisse sollen für viele weitere Orte und Regionen nutzbar gemacht werden. In einer späteren Phase soll ein Netzwerk engagierter Orte entstehen, um eine landesweite Kultur der sektorenverbindenden Kooperation zu fördern.

Das Projekt wird von einem Trägerkreis aus 15 bedeutenden Organisationen getragen. Die Projektleitung wird von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) ausgeübt. Die fachliche Begleitung und wissenschaftliche Untersuchung des Projekts wird durch die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) sichergestellt.

Warum haben Sie engagement-lokal ins Leben gerufen?

Megatrends wie beispielsweise Individualismus und die steigende Mobilität verändern unsere Gesellschaft rapide und bringen neue Herausforderungen mit sich. Dadurch verändert sich auch das Engagement. Untersuchungen zeigen zugleich immer wieder: Engagement für die Gesellschaft erfolgt dennoch nach wie vor primär vor Ort: in Gemeinden und Städten, Ballungsgebieten und Stadtquartieren (Lamprecht et al. 2020). Deshalb war für uns klar, dass es neue Rahmenbedingungen für lokales Engagement braucht, um den Sinn für das Gemeinwohl zu stärken. Es ist unsere Überzeugung, dass dafür gemeinsame Anstrengungen aller gesellschaftlichen Akteure nötig sind.

Was ist neu am Ansatz?

Das Neue an engagement-lokal ist, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Freiwilligenarbeit durch lokale, sektorenverbindende Zusammenarbeit partnerschaftlich und auf Augenhöhe von Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft gemeinsam gefördert werden. Dabei stehen nicht bestimmte Projekte oder Organisationsformen im Fokus. Das Resultat in den verschiedenen Orten und Regionen kann unterschiedliche Formen annehmen. Engagement-lokal setzt auf die Lösungskompetenz der Menschen vor Ort – sie kennen die größten lokalen Herausforderungen, bei denen es anzusetzen gilt.

Wie arbeiten die verschiedenen Akteure vor Ort zusammen?

Ganz unterschiedlich. Wie gesagt, geht es nicht darum, bestimmte Organisationsformen zu fördern, sondern individuelle Unterstützung zu bieten und so eben auch herauszufinden, was in der lokalen, trisektoralen Engagement-Förderung funktioniert und was nicht. In Kloten beispielsweise wurde der Verein freiwillig@kloten umstrukturiert. Der Vorstand besteht neu aus je drei Vertreter*innen aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft und der städtischen Politik und Verwaltung. So sollen Synergien optimal genutzt werden. In anderen Regionen funktioniert das ganz anders, beispielsweise in kleineren Orten oder ländlicheren Regionen. So ein Vorgehen wäre angesichts der dortigen Strukturen gar nicht möglich und es bedarf anderer Formen der Zusammenarbeit. Verschiedene Modelle werden nun von den Orten und Regionen erprobt und von der wissenschaftlichen Begleitung evaluiert.

Was ist aus der Perspektive des lokalen bzw. regionalen zivilgesellschaftlichen Bildungsengagements in Deutschland besonders spannend?

Wir arbeiten eng mit dem Netzwerkprogramm Engagierte Stadt zusammen. Bevor wir mit engagement-lokal gestartet sind, gab es intensiven Austausch. Dafür sind wir sehr dankbar. Aus der Entwicklung des Netzwerkprogramms konnten wir viel lernen – vor dem Start und auch jetzt in der Umsetzungsphase. Gerade zum letzten Austauschtreffen von engagement-lokal haben wir einen Vertreter einer Engagierten Stadt eingeladen, um die Erfahrungen für die engagierten Orte und Regionen in der Schweiz nutzbar zu machen. Wir möchten selbstverständlich auch unsere Erkenntnisse mit der Engagierten Stadt teilen und hoffen, dass diese auch für die deutschen Kommunen fruchtbar sind. Natürlich funktioniert in den beiden Ländern vieles unterschiedlich. Beispielsweise ist engagement-lokal in allen Landesteilen und Sprachregionen vertreten und dadurch dreisprachig – eine spannende Herausforderung für den Austausch zwischen den Orten und Regionen, aber auch sehr aufschlussreich bezüglich der Frage, inwiefern die verschiedenen Sprachregionen anders funktionieren.

Wie hat Corona den Projektstart beeinflusst? Mit welchen Strategien reagieren die ausgewählten Orte, Regionen und Quartiere auf die neue Situation?

Die Corona-Pandemie hatte natürlich auch einen Einfluss auf engagement-lokal. Die Auswahl der zehn Orte und Regionen fiel im März 2020. Für April 2020 wäre der Auftakt-Anlass geplant gewesen. Dieser konnte entsprechend nicht stattfinden und wurde erst im Oktober 2020 digital durchgeführt. Für die Vernetzung und den Austausch war das natürlich nicht optimal. Auch die fachliche Begleitung konnte nicht wie ursprünglich geplant mit Workshops vor Ort starten. Wir haben umgestellt und die Orte von Beginn an mit individueller fachlicher Beratung unterstützt. Inzwischen konnte auch der erste Austausch mit den beteiligten Orten und Regionen vor Ort durchgeführt werden, der für alle sehr bereichernd war. Klar ist, dass es in allen Regionen und Orten einerseits zu Veränderungen und Verzögerungen bei den ursprünglichen Vorhaben gekommen ist. Dabei gab es sowohl positive als auch negative Auswirkungen. So haben beispielsweise einige Orte und Regionen viele neue freiwillig Engagierte aktivieren können, die ihren Beitrag während der Pandemie leisten wollten. Andererseits gestaltete sich zum Beispiel die Einbindung der Wirtschaft an manchen Orten noch schwieriger als zuvor.

Hier erfahren Sie mehr zu engagement-lokal.

Zwei Sätze zum Interviewpartner: Ruedi Schneider (30) ist Politologe und Programm- und Projektleiter bei der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG. Er leitet das Projekt engagement-lokal.

 

Das Interview führte Tabea Schlimbach.

 

Literatur

Lamprecht, M., Fischer, A. & Stamm, H. (2020): Freiwilligen-Monitor Schweiz 2020. Freiwilligkeit. Seismo.

 

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